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Höhenangst, wenn man bis an den Felsrand tritt, um den Drang hinunterzuspringen umso intensiver zu verspüren. So erging es mir mit Batzingers Tausender. Ich wusste, dass ich ihn behalten musste, ja dass ich ihn eigentlich sorgfältig in einem Safe hätte aufbewahren müssen, vom ersten Augenblick an. Ich kannte ja Batzingers Art, alles Wichtige als wertlos abzutun. Meinen Verdacht, dass es sich mit dem Tausender, den er mir in die Hand gedrückt hatte, genauso verhielt, sah ich an einem Herbstabend – ich weiß noch, es war ein Mittwoch – bestätigt. Ich saß zu Hause und briet ein Spiegelei, als mein Telefon klingelte. Als ich auf der Anzeige den Namen Batzinger aufleuchten sah, wusste ich, er rief wegen des Tausenders an. So war es tatsächlich. Er meldete sich flüsternd am anderen Ende der Leitung: „Und? Hast du noch den Tausender?“ Ich drehte den Herd auf kleine Flamme runter. „Nein“, hörte ich mich sagen. „Du hast ihn ausgegeben?“ – „Ja.“ Am anderen Ende der Leitung vermischte sich ein Knistern mit dem Brutzeln des Spiegeleis im Fett. „Ja. Genau. Du musst ihn ausgeben“, sagte Batzinger. „Er muss verschwinden. Du weißt, dass er verschwinden muss.“ – „Ja, Batzinger, ich weiß es. Ich habe ihn ausgeben.“ – „Sehr gut“, hechelte Batzinger. „Das wollte ich hören.“ Er hielt einen Augenblick inne. Ich sagte nichts, er hängte auf.
Vordergründig war es ein sachliches Gespräch. Doch es war eines dieser Gespräche, bei denen auf beiden Seiten die Stimme kaum hörbar zittert; ein ……………………………………
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