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nicht. Ich schaff’s nicht!, hatte sie weinend gerufen. Du, hatte der Vater gesagt. Natürlich schaffst du’s. Und wenn du’s nicht selbst schaffst, dann werde ich dich tragen. Und er hatte so spielerisch ernst geguckt mit seinem Trimmdich, und er hatte seine Arme so angespannt wie ein Muskelmann. Und dann hatte er gesagt: Du weißt doch, wie stark ich bin! Ich kann sogar Steine brechen! Und dann hatte er einen Stein aufgehoben und, vor ihren Augen, ihn durchgebrochen! Mittendurch! Und da hatte sie gelacht, denn natürlich hatte sie gewusst, dass das ein Schiefer war! Ein Schiefer! Und einen Schiefer, den konnte sogar sie brechen, sogar ein kleines Kind. Und dann hatten sie zusammen den Schiefer gebrochen, ihr großer starker Vater und sie, und kräftig gelacht.
Und sie sieht ihn nun liegen, diesen Vater, ihn dort liegen, im Bett, sein Haar schütter, die blonden Wimpern grau verborgen zwischen den Falten verschlossener Augen, schwach atmend im Schlaf, den dürren und schiefen Rücken mit den hohlen, zerberstenden Knochen wie schmelzendes Eis unter der leichten Decke. Nicht zu schwer darf sie sein, ihn nicht zu stark belasten, und sie deckt ihn voller Vorsicht etwas besser zu, damit er nicht friert, dieser dürre Vater, dessen Unterlippe unter dem schütteren, sorgsam getrimmten Schnurrbart, sie selbst hat ihn gestutzt, im Traum leicht zittert. So liegt er dort, in ihrem Hause, so liegt er, in diesem Bett, und unzerbrechlich liegt auch die Erinnerung, und sie streicht zärtlich über seine magere weiße Hand mit den bläulichen Adern, die im Schlaf schwach die ihre drückt. Man könnte ………………
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